MARION

 

Marion Maerz (Marion Litterscheid).
* 17.8.1943 in Flensburg.

Trat zunächst unter ihrem bürgerlichen Namen auf, dann als Marion, jetzt als Marion Maerz.

Vater Prokurist in einer Keksfabrik - immer unterwegs und oft versetzt. Kindheit und Jugend in Flensburg, Augsburg, Ulm, Hannover, heute in Berlin. Abitur. 1 Jahr Sekretärinnen-Schule, Gesangsunterricht. 2. Preis bei einem Nachwuchswettbewerb.

Bekannte Titel: "Fällt ein Stern zur Welt", "Er ist wieder da". 1972 Teilnahme an der deutschen Vorentscheidung zum "Grand Prix Eurovision" mit "Halleluja Man".

 


 
 
 
 
A) Liebe auf den ersten Blick
B) Mister Boyfriend
Polydor 52 361 AT (1964)
A) Er ist wieder da
B) Blau, blau, blau
Hansa 18 516 AT (1965)
A) Wie soll es weitergehn
B) Wir halten zusammen
Hansa 18 780 AT (1966)
A) Mach nicht die Tür zu
B) Wenn das kein Zufall ist
Hansa 18 950 AT (1966)
A) Ich hab' einen guten Freund gehabt
B) Du wirst schon sehn, was Du davon hast
Hansa 19 150 AT (1966)
A) Er und ich
B) Hinter Glas
Hansa 19 410 AT (1967)
A) Klopf auf Holz
B) Nur beim Abschied nicht weinen
Hansa 19 610 AT (1967)
A) Andy
B) Da gehören zwei dazu
Hansa 19 864 AT (1967)
A) Round And Round
B) Fällt ein Stern zur Welt
Hansa 14 137 AT (1968)
A) Weit, weit, weit 
B) Sugar, Sugar
Hansa 14 414 AT (1969)
A) Nur du (El Condor Pasa)
B) Bis ans Ende aller Tage
Hansa 14 599 AT (1970)
A) Es ist so gut
B) Wach' ich oder träum' ich
Reprise 14 187 (1972)
A) Shalom 
B) S-t-e-f-a-n
Reprise 14 253 (1973)
A) Bald kommt der Sommer wieder
B) Chiribim, Chiribom
Reprise 14 323 (1974)
A) Schlaf heut abend nicht im Park
B) Zigeuener-Lady
Ariola 13 307 (1975)
A) Ist es aus und vorbei?
B) Manchmal habe ich Angst
mit Anthony (Monn)
Ariola 16 525 (1976)

MARION singt auf HANSA-Schallplatten im Vertrieb der Ariola-Eurodisc GmbH

 

30-cm-Langspielplatte
75 437 Stereo
MARION
Ich hab' einen guten Freund gehabt
Nur beim Abschied nicht weinen
So fing es an
Blau, blau, blau
Wie soll es weitergehn
Bis ans Ende aller Tage
Wenn du da bist
Mach nicht die Tür zu
Nichts als Sorgen macht er mir
Du bist genau wie die anderen
Du wirst schon sehn, was du davon hast
Er ist wieder da

Ein Lied genügte, um ihr auf alle Zeiten einen Platz im Schlagerhimmel zu sichern. "Er ist wieder da" gehört zu den Liedern, die so zu den sechziger Jahren gehören wie zehn Jahre zuvor "Egon", und zehn Jahre später "Theo, wir fahr'n nach Lodz" und ein weiteres Jahrzehnt später Geier Sturzflugs "Bruttosozialprodukt. Die Sängerin: Marion.

Der mit Preisen überhäufte NDR-Regisseur Horst Königstein ("Sympathy For The Devil", "Hard Days, Hard Nights", "Der Tag an dem Elvis nach Bremerhaven kam") zählt sie zu den "schönsten und wichtigsten Figuren der sechziger Jahre".

Bernd Begemann, Musiker aus der New Wave-Szene und Liedermacher von hoher Sprachkunst, fand sie schon immer "großartig, weil sie unschuldig guckt, aber hinter ihren Augen immer diese Entschlossenheit zu stecken scheint, ohne die ein einfaches Mädchen nie nach oben kommen kann." Königstein engagierte Marion Maerz Anfang dieses Jahres (1996) für eine Nebenrolle in seinem TV-Musical "Liane". Die Geschichte erzählt die das Leben der Marion Michael, die Ende der fünfziger Jahre als Dschungelmädchen Liane über Nacht zum Star wurde. Marion Maerz, die im vorigen Jahr bei einem wenig erfolgreichen Musical im Hamburger Neuen Theater mitspielte, hatte bei Königstein mal angefragt, ob er ihr eine Chance geben könne. Der NDR-Mann zeigte sich gewogen und setzte die Sängerin mit auf die Besetzungsliste.

Die Erfolgsgeschichte der Marion Litterscheid begann eigentlich erst im Herbst 1965. Damals lebte die am 17.August 1943 in Flensburg geborene noch bei ihren Eltern in Glücksburg nahe der dänischen Grenze. Sie hatte gerade vier Lieder mit minderen Erfolg bei der Polydor in Hamburg aufgenommen und buhlte jetzt bei der jungen Firma Hansa in Berlin um eine neue Chance. Hansa - Chef Peter Meisel nahm sie in seine Karte auf.

Eines Tages saßen der Komponist Christian Bruhn ("Zwei kleine Italiener", "Liebeskummer lohnt sich nicht") und der Autor Günter Loose ("Marmor, Stein und Eisen bricht") mit Meisel zusammen. Christian Bruhn erinnert sich: "Wir saßen zu dritt, Loose textete, ich klimperte auf dem Klavier. Produzent Peter Meisel, der dritte im Bunde ging zum Essen. Wir machten weiter." Loose ergänzt: "Ich malte mir aus, was wir sagen würden, wenn er zurückkommt. Ganz einfach: "Er ist wieder da." So war die Titelzeile geboren. Bruhn: "Wir hatten ganz sicher im Gefühl, daß das Lied etwas ist, was in Amerika "outstanding" genannt würde - etwas Außergewöhnliches." Der deutschsprachige Popmarkt ist allerdings etwas eigen. Das auch von Bruhn beherzigte Credo "Keep it simple, keep it sexy, keep it sad." - "mach es einfach - mach es anziehend - halt es traurig" galt in Deutschland nur ausnahmweise.

Marion Litterscheid mochte es nach ihrem erfolglosen Debüt bei der Polydor nicht glauben, dass sie tatsächlich künftig wieder als Sekretärin arbeiten sollte: "Ich wollte unbedingt wieder singen, dazu war mir fast jedes Mittel recht." Bei einem ihrer Besuche im Hansa - Studio, traf sie Christian Bruhn und hatte kurz darauf ihr Ziel erreicht. "Wie sie so daneben dem Klavier stand und etwas mitsummte, wusste ich, dass sie "Er ist wieder da" singen sollte. Sie hatte das gewisse Etwas. Die Zusammenarbeit war ja am Ende auch wunderbar. Sie ist hochmusikalisch."

Peter Meisel wollte kein Risiko eingehen. Er sah im Gegenteil zu Bruhn und Loose nicht das Potential des Schlagers. So wurde "Er ist wieder da" nur zur B-Seite. Gepriesen wurde statt dessen "Blau, Blau, Blau". Doch die Hörer bestätigten Bruhn und Loose. Am 15.Dezember 1965 stieg ihr Lied in die Hitparade, und blieb dort 16 Wochen, acht davon unter den ersten zehn. Belter Records in Spanien veröffentlichte beide Lieder sogar in Spanisch.

Marion hatte - vorläufig - geschafft, was viele andere Mädchen nur - meist vergeblich - hoffen konnten: vor Publikum zu bestehen und von ihren Träumen zu berichten. Die Sängerin weiß selbst, dass sie damals eher den romantischen Typ - so wie in Frankreich Francoise Hardy - verkörperte.

Ihr Vater, Sproß eines alten Raubrittergeschlechts aus dem Siegerland, ein Marineoffizier, der er später bis zum Prokuristen bei einer Hannover ansässigen Keksfirma brachte, förderte die künstlerischen Ambitionen seiner Tochter nur wenig: "Ich ging zur Ricarda-Huch-Schule in Hannover. Dort, Anfang der sechziger Jahre, machte ich mein Abitur. Ich hörte gerne den amerikanischen Soldatensender AFN. Am liebsten Elvis Presley." Ihr Berufziel: Schauspielerin oder Schlagersängerin.

Die erste Rosine im Kopf der jungen Frau wurde jedoch von ihrem Vater erst einmal gezogen: Sie durfte nicht zur Schauspielschule. Gesangsunterricht? Ja der ließ sich mit der Schule zeitlich vereinbaren. Doch musste Marion nach der Reifeprüfung erst eine Sekretärinnenschule besuchen - mit Erfolg. "Doch danach war Schluss, ich wollte ja nicht tippen und übersetzen, sondern singen."

Während der Hannover-Messe 1964 jobbte sie als Messehelferin. Sie wurde von einer Tonbandgerätefirma angeheuert und sang alle 15 Minuten einen Schlager während sie das Tonbandgerät schwang: "So sollte demonstriert werden, dass die Aufnahme auch funktioniert, wenn das Gerät erschüttert wird."

Daraufhin wurde sie zum Pepsi-Cola-Wettbewerb ("Rhythmus von heute sucht Talente von morgen") eingeladen. Im Hannoveraner Kuppelsaal sang sie sich schließlich durch die Vorrunde und belegte dort den zweiten Platz. "Ich hatte keine Ahnung, was mich erwartet. Proben? Fehlanzeige. Das Orchester war klasse - es war das von Ambros Seelos. In der Vorrunde habe ich einen Titel aus dem Musical "Annie, Get Your Gun" gesungen - später noch drei andere. Doch nie den gleichen, und das war vielleicht entscheidend. Aus diesem Wettbewerb ist nur noch Joana bekannt, sie belegte damals den ersten Platz. Joana war Ende der sechziger und Anfang der siebziger Jahre das weibliche Pendant zu Reinhard Mey und tritt mittlerweile mit einigem Erfolg auf einer Kleinkunstbühne in Heidelberg auf.

Der Auftritt im Kuppelsaal vor 1000 Zuhörern war nicht der erste Bühnenauftritt der Sängerin, auch nicht das erste Mal, daß sie vor Nervosität keinen Bissen mehr herunterkam: "Auch bei Schulreferaten war ich eine Woche vorher aufgeregt - und das hat sich bis heute nur wenig geändert."

Der Schallplattenvertrag, den sie beim Pepsi-Cola-Talentwettberb gewonnen hatte, sicherte ihr einige Aufnahmen bei Polydor in Hamburg zu, die unter ihrem Namen Marion Litterscheid veröffentlicht wurden: "Terry","Liebe auf den ersten Blick","Mister Boyfriend" und "Versprich mir nicht zuviel". Mehr als die zwei Singles wollten die Marktführer des Schlagergeschäfts nicht in sie investieren - das war ihr entschieden zu wenig. Sie hatte nun die Luft des Showgewerbes geschnuppert und wußte, daß sie dort gerne arbeiten würde.

Und dann kam, nun als Marion "Er ist wieder da" - das war ein großer Sprung auf einmal. "Nein, das hat mir nicht den Kopf verdreht", behauptet sie heute. "Geld spielte keine Rolle - ich gab es mit Freunden und vollen Händen aus. Sparen? Das war mir fremd." Sie trug viele modische Klamotten und fühlte sich - wie viele ihrer Kolleginnen, die gleich am Anfang ihrer Karriere einen Hit landeten - als heimliche Trendsetterin einer Generation. So scheu sie sich sieht, so entschieden doch ihr Wille, nicht schon nach drei Stufen auf der großen Treppe nach oben halt zumachen.

Erst weigerte sie sich, Lieder zu singen, die sie nicht mochte, und stellte sich schließlich doch ans Mikrofon: "Ich wusste, dass der Nachfolgetitel von "Er ist wieder da" nicht den Erfolg bringen würde - "Wie soll es weitergeh'n" war erkennbar die gleiche Masche. Und bei "Klopf auf Holz" hätte ich am liebsten gestreikt, aber ich ließ mich überreden." Wünsche, auch mal andere Sachen zu singen, wurden ihr mit Hinweis auf den Vertrag verweigert: "Einmal Schlagersängerin, immer Schlagersängerin", sagt Marion Maerz heute, "so ist das in Deutschland."

Immerhin war sie die erste deutsche Sängerin, die im "Beatclub" von Radio Bremen auftreten durfte: "Da war ich mächtig stolz - und ich finde, auch mit Recht. Denn da muß man erstmal hinkommen. "Dort sang sie "I go to sleep". Sie war auch international vorzeigbar, ihr Flair war nicht so, dass man in ihr nur die hausbackene Deutsche sah. Als sie eines Tages nach London in das Apple Studio kam, wo ausgelotet werden sollte, ob sie mit ihrem akzentfreien Englisch auch für den britischen Markt taugt, traf sie dort im Büro Paul McCartney: "Mir ist fast die Luft weggeblieben. Aber, typisch ich hab' ja kaum eine Silbe über die Lippen gekriegt. Ich dachte, jetzt soll der bloß nicht denken, dass ich ihn ganz besonders toll finde. Dabei fand ich ihn wirklich toll, aber gleichzeitig auch normal, nicht übergeschnappt, er plauderte mit mir und sagte, dass er "Blau, Blau, Blau" kennt und schön findet."

Es gibt viele Titel, mit denen sie heute noch zufrieden ist: "Stand by your man" hieß bei mir "Wer Liebe sucht". Später hat Marianne Rosenberg auf meinem Playback gesungen. Das hat mir schon einen Stich gegeben, daß meine Version nicht so erfolgreich war. Aber ich fand, dass ich es gut gesungen habe."

"Ich hab' einen guten Freund gehabt" (sechs Wochen in der Hitparade vom 1.Dezember 1966 an) oder auch "Mach' nicht die Tür zu" (in der Vorrunde zu den Deutsche Schlagerfestspielen 1966 in Baden-Baden ausgeschieden; Siegerin war damals Wencke Myhre mit "Beiß nicht gleich in jeden Apfel", Dritter Roy Black mit "Irgend jemand liebt auch dich") gehören zu ihren Lieblingstiteln.

1970 hatte sie keine Lust mehr, ihre Produzenten wohl auch keine Geduld mehr mit ihr: Die Zeit der romantischen Mädchen war vorbei. Marion galt zudem als unberechenbar - nett, aber stets für Widerworte gut. Aber die Produzenten mochten sich dies nicht bieten lassen: Ein echter Star war sie längst nicht mehr - eine bekannte Nummer aus dem Schlagergeschäft, aber keine, die große Forderungen stellen konnte. So gingen in Berlin die Zeitläufe auch nicht spurlos an ihr vorbei. Als Rudi Duschke von einem durch die Springerpresse aufgehetzten Mann angeschossen wurde, ging auch die Sängerin demonstrieren: "Das war wichtig, natürlich war das auch die Zeit, ein bisschen rebellisch, ein wenig auf Krawall aus." Sogar einige Tröpfchen aus den Wasserwerfern der aufgescheuchten Polizei bekam sie ab.

Anfang der siebziger Jahre folgte ein grandioser Flop. Bei Warner Bros. veröffentlichte sie ein Album mit Liedern von Burt Bacharach. Die Schallplatte "Seite Eins, Marion März" ist heute ein Kultobjekt - sie war richtig gut - doch sie kam offensichtlich zur falschen Zeit: Sie lag wie Blei in den Regalen.

Damit hatte Marion März - wie ihr Künstlername inzwischen lautete - bewiesen, dass ihre Ansprüche auf Qualität berechtigt sein mögen, doch nicht zu verkaufen sind. 1975 sang sie mit Richard Anthony die deutsche Version des französischen Hits "Tu t'en vas von Alain Barrière und Noelle Cordier - kurz vor der Geburt ihrer und Frank Elstners Tochter Mascha. "Danach kam erstmal meineTochter", sagt sie heute, erklärend als Grund für ihren ausgebliebenen Erfolg.

Ihr letzter Hit liegt nun schon einige Jahre zurück: Das war Suzi Quatros und Chris Normans' "Stumblin' In", das sie zusammen mit Bernd Clüver sang: "Schau mal herein." Das Lied gehört wie nur wenige Schlager aus der Zeit Ende der sechziger Jahre zu den Seismographen veränderter Einstellungen in der Gesellschaft: Frau und Mann sind geschieden - und möchten dennoch Freunde bleiben - und einander begleiten. Da war nichts mehr von hysterischen Eifersuchtsszenen zu spüren. Es war zudem ein erwachsener Schlager, einer für Leute, die dem BRAVO-Alter entwachsen sind.

Anfang der neunziger Jahre produzierte Marion Maerz notgedrungen, da die Nostalgiewelle des deutschen Schlagers noch nicht angebrochen war, noch etwas für ihren Geldbeutel - Volksmusik. "Nicht mehr mein Ding, aber die "Rose vom Wörthersee" habe ich trotzdem gern gesungen. Das war auch eine neue Erfahrung für mich, vor Leuten zu singen, die schunkeln und fröhlich sind."

Sie sucht jetzt - derzeit ohne Plattenvertrag - neue Wege. Sie glaubt: "Ich kann viel, mein Potential ist längst nicht ausgeschöpft." Bernd Begemann will mit ihr zusammenarbeiten, eventuell auch auf Tournee gehen "mit neuen Sachen, solche die neu sind, die noch keine gemacht hat - jetzt wo meine Tochter aus dem Haus ist, habe ich wieder zeit, mich um meine Karriere zu kümmern. Müde bin ich noch lange nicht."
 
 
 
 
 

Bear Family CD
BCD 15 964 AH
erhältlich bei 
BEAR FAMILY RECORDS
Er ist wieder da 2: 47 1965 Terry 3: 13 1965 Liebe auf den ersten Blick 2: 26 1964 Andy 2: 24 1967 Er und ich 2: 33 1967 Mister Boyfriend 2: 11 1964 Blau, Blau, Blau 2: 26 1965 Wie soll es weitergehn 2: 33 1966 Versprich mir nicht zuviel 2: 05 1965 Wenn das kein Zufall ist 2: 31 1966 Da gehören zwei dazu 2: 25 1967 Ich hab' einen guten Freund gehabt 2: 46 1966 Wer Liebe sucht (Der muß auch Liebe geben) 2: 43 1969 So fing es an 2: 21 1967 Auf, auf und davon 2: 36 1969 Weit, Weit, Weit 2: 50 1969 Klopf' auf Holz 1: 59 1967 Bis an Ende aller Tage 2: 10 1970 Wenn du da bist 2: 16 1967 Sugar, Sugar 2: 29 1969 Nur du 2: 59 1970 Fällt ein Stern zur Welt 2: 48 1968 Mach nicht die Tür zu 2: 42 1966 Nichts als Sorgen macht er mir 2: 13 1967 Hinter Glas 2: 23 1967 Wir halten zusammen 2: 30 1966 Du bist genau wie die anderen 2: 47 1967 Nur beim Abschied nicht weinen 2: 17 1967 Nur wirst schon seh'n, was du davon hast 2: 14 1966 Round And Round 2: 44 1968

Marion ist neben Joy Fleming die am meisten unterschätzte deutsche Sängerin. In den stürmischen Sechzigern, als die Hitlisten sämtlicher Jugendzeitschriften von den Beatles, den Rolling Stones, den Kinks und den Beach Boys angeführt wurden, da war sie neben Manuela und Drafi Deutscher eine der ganz wenigen in deutscher Sprache singenden Interpreten, die sich gegen die überstarke ausländische Konkurrenz behaupten konnte. Marion wurde damals gar die Ehre zuteil, als erste einheimische Interpretin im Beat Club, Radio Bremens absoluter Fernseh-Kultsendung, einen Auftritt zu bekommen - mit einem englischen Titel ("I go to sleep", einer Komposition von Ray Davies von den Kinks), aber immerhin.

Damals hatte sie einen durchschlagenden Hit, durch den sie zum Star geworden war: "Er ist wieder da". Es war ihre dritte Single-Schallplatte, nachdem zwei zuvor unter ihrem vollen Namen Marion Litterscheid aufgenommene Songs ("Liebe auf den ersten Blick" und "Terry") bedeutungslos geblieben waren. Das Lied war eine melancholische Teenager-Ballade und erzählte von einer unglücklichen Liebe: "Er ist wieder da, wieder hier. / Doch er läutet nicht an meiner Tür. Ale Leute in der Stadt haben ihn geseh'n. / Er ist wieder da, was ist nur geschehn?" So melancholisch dieses Liebesliedchen auch daherkam, so wenig entsprach es den Klischees der "Schnulze". Marion gelang damit etwas, das damals wie heute nur wenigen deutschsprachigen Interpreten gelingt. Liebeslieder mochte das Publikum seit jeher lieber in fremder Sprache. "I love you"' "Je t'aime" und Ti amo" hörte und hört sich unverfänglicher an als "Ich liebe dich". Populäre Lieder aus Deutschland thematisierten lieber das Heimweh nach fremden Ländern oder fragten, woher eigentlich die "Zuckerpuppe aus der Bauchtanztruppe" stammte. Beim Thema Liebe indes, da glitt man schnell ins Seichte ab und käute plumpe Phrasen wider á la "Ganz in Weiß mit einem Blumenstrauß". Noch heute, in den Neunzigern, tut sich die Zunft der deutsch singenden Interpreten in Sachen Herzensangelegenheiten schwer. Zwar gibt es mittlerweile so umwerfend schöne Songs wie Udo Lindenbergs "Hinter dem Horizont" und Westernhagens "Komm in meine Arme", aber der Zeile "Ich lieb' dich" setzen Pur noch immer ein entschuldigendes "egal, wie das klingt" hinterher. Marions "Er ist wieder da" war ein Glücksfall: Auf dieser Platte vereinten sich eine zündende Melodie, ein glaubhafter Text und eine ausdrucksvolle, authentische Stimme. Es schien, als sei mit diesem Lied ein neuer Star geboren und Marion könne zu einer Art deutscher Francoise Hardy avancieren.

Doch es kam anders. Die Folgeplatte mit den Titeln "Wie soll es weitergehn?" und "Wir halten zusammen" konnte sich nicht höher als auf Platz 29 der Hitparade vorarbeiten. Alles, was "Er ist wieder da" so unvergleichlich machte, das fehlte den beiden neuen Titeln: Sie hatten nicht die Spur von Leichtigkeit und Authentizität, stattdessen klangen sie schrecklich gewollt und versprühten aufgesetzten Pathos. "Wie soll es weitergehn, wenn wir uns im Leben nie wiedersehn? /Was fange ich nur an? /Gibt es keinen, der uns beiden helfen kann?" die x-tausendste Variante des Konfliktes vom Typ "Meine Eltern verstehen mich nicht" vermochte das junge, von englischen Beatsongs verwöhnte Publikum nicht mehr zu überzeugen. Marions nächste Scheibe: "Ich hab' einen guten Freund gehabt", war dann wieder wesentlich besser. Der Song war ähnlich gelungen wie "Er ist wieder da", hatte eine ähnlich schöne Melodie, einen ähnlich überzeugenden Text und war auch ähnlich beat-like arrangiert. Das genau allerdings war wohl auch sein Manko: "Ich hab' einen guten Freund gehabt" war ganz einfach "Er ist wieder da" zu ähnlich. Die Fans, die noch wenige Jahre zuvor bereitwillig jeden x-ten Aufguss von Freddy- und Rex Gildo-Schlagern bereitwillig akzeptiert hatten, waren mittlerweile zu kritisch geworden, um sich länger solche "Nachzieh"-Manöver gefallen zu lassen und gaben Marion den Laufpass. Es reichte gerade noch für Platz 33 und dann war es aus: Sämtliche Platten, die Marion in der Folgezeit veröffentlichte, spielten - von einer einzigen Ausnahme abgesehen, keine namhafte Rolle mehr.

Anfang der Siebziger bekam sie die Chance, nunmehr unter ihrem neuen Namen "Marion Maerz" als erste deutsche Interpretin des internationalen Plattengiganten "reprise" eine LP mit Chansons zu machen. "Seite 1 - Marion Maerz singt Burt Bacharach" erntete bei Kritikern begeistertes Lob, floppte kommerziell jedoch absolut. Dafür landete Marion 1975, ein Jahrzehnt nach ihrem Durchbruch mit "Er ist wieder da", noch einmal im Vorderfeld der Charts: Eine deutsche Version des Nr.1 - Hits "Tu t' en vas" (im Original von Alain Barriere und Noelle Cordier) brachte ihr gemeinsam mit einem Sangeskollegen namens "Anthony" einen 15. Platz ein. Hinter diesem "Anthony" versteckte sich übrigens keineswegs, wie mitunter vermutet wird, Richard Anthony, sondern Anthony Monn, der sich später als Produzent von Amanda Lear einen Namen machte). "Du gehst fort" blieb allerdings ein Strohfeuer ohne Folgewirkung. Seitdem wagte Marion immer wieder einen neuen Anlauf, doch ein Comeback wollte ihr einfach nicht mehr gelingen.

Nicht immer war sie gut beraten: Von Peter Orloff ließ sie sich eine Zeitlang als eine Art zweite Vicky Leandros vermarkten, nahm folkloristisch angehauchte Null-acht-fünf-zehn-Schlager im Bouzouki-Sound auf und verkaufte sich alles in allem reichlich unter Wert. Dennoch: Aus dieser Phase stammt eine Single von Marion, die zu meinen absoluten Lieblingsliedern gehört: "Lago Maggiore im Schnee", eine wunderschöne und absolut gefühlsintensive Ballade der Meisterklasse. Vicky Leandros hatte sie schon einmal 1973 auf Platte veröffentlicht, allerdings nie auf einer Single. Die Plattenfirma benutzte den Song quasi als pädagogische Maßnahme, den damals noch zögerlichen Absatz von LPs anzukurbeln. Marions Aufnahme erschien nun mit einigen Jahren Verspätung. Vicky-Fans werden es mir sicherlich nicht verzeihen: Bei "Lago Maggiore" und bei Marion hatten sich meines Erachtens ein Lied und eine Stimme gefunden. Jeder Ton scheint Marion haargenau auf den Leib geschrieben worden zu sein, und jeder Schluchzer sitzt wie angegossen: "Lago Maggiore im Schnee / Einsame Uferallee / Letzte Spuren vergangener Zeit /Bald sind sie ganz zugeschneit...", das ist ein definitiver Höhepunkt deutschen Schlagerschaffens und es ist mir unverständlich, wieso dieses Lied nie ein Hit wurde. Sollte es irgendwann einmal ein Rundfunkredakteur entdecken, so würde es garantiert noch heute riesig einschlagen. Leider gibt es "Lago Maggiore im Schnee" meines Wissens derzeit auf keinem Tonträger zu kaufen.

Sollten Sie die Platte irgendwann einmal auf einem Flohmarkt erspähen, zögern Sie nicht und greifen Sie zu! Da die Single damals in keiner Hitparade notiert wurde, gibt es von ihr nur wenige Exemplare. Dennoch dürfte sie nur ein paar Mark kosten, denn die Nachfrage hält sich ja noch immer in Grenzen. Ähnlich kostengünstig sind Marions weitere Singles: "Er ist wieder da", "Wie soll es weitergehn?" und "Ich hab' einen guten Freund gehabt" werden mit Preisen um 20 DM gehandelt, alle anderen bewegen sich unter 10 DM. Die LP "Seite 1 - Marion Maerz" ist unter Kennern mittlerweile so etwas wie ein Kultobjekt, doch mehr als 50 DM sollten Sie nicht ausgeben. Dasselbe gilt für die beiden anderen bei "reprise" erschienenen Marion Maerz-LPs aus den Siebzigern, "Nimm mich zu dir" (1972) und "Shalom" (1973). Höhere Preise erzielt lediglich die fast nirgendwo mehr erhältliche "Best of"-Zusammenstellung aus den sechziger Jahren (Hansa 75437). Für sie muss man vermutlich einen dreistelligen Betrag hinblättern - sofern man sie überhaupt einmal angeboten bekommt. Auf CD wurden bisweilen nur die bei Polydor und Hansa aufgelegten Lieder neu zugänglich gemacht: "Marion März: Er ist wieder da" (Bear Family BCD 15964 AH) vereinigt mit Ausnahme von "I go to sleep" sämtliche A- und sämtliche B Seiten sämtlicher Singles aus dieser Dekade und zusätzlich die nicht ausgekoppelten Titel der "Best of"-LP. Das Booklet ist so liebevoll gestaltet, wie man es bei dieser Plattenfirma gewöhnt ist und enthält neben zahlreichen (leider klitzeklein) wiedergegebenen Plattenhüllen eine gleichermaßen mit Witz wie mit Liebe zum Detail abgefasste Hommage an Marion aus der Feder eines taz-Redakteurs. (s.Text oben!) Sehr hübsch das Ganze. Aber hoffentlich gibt es bald auch wieder eine CD, die Marions allerschönstes Lied enthält. Sie wissen ja: "Lago Maggiore im Schnee / schon die Erinnerung tut weh..."
 







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