
* 22.09.1891
in Hamburg-St.Georg
† 24.07.1960
"Hoppla,
jetzt komm ich!" Das war zeitlebens das Motto des blonden Hans. Nicht erst,
als er mit diesem Lied 1932 in dem Film "Der Sieger" Furore machte, gewann
das keck-freche "Hoppla" die Bedeutung einer Lebens-Philosophie für
ihn. Das war schon immer so...
Sonntagskind
Hans (als Sohn eines Schlachters am 27.9.1892 in Hamburg geboren) wusste
sich früh durchzusetzen. Schauspieler wollte er werden, und um sein
Traumziel zu erreichen, war ihm jedes Mittel recht. Für acht Mark
pro Abend schwang er sich in der Revue "1000 nackte Beinchen" zum Spaß
der Zuschauer von einem Kronleuchter zum anderen, um schließlich
in ein Wasserbecken zu plumpsen. Doch dann hatte er's geschafft. Er wurde
die künstlerische Sensation der späten zwanziger Jahre: Heinz
Hilpert hatte ihn mit der Rolle des Schurken in Bruckners "Verbrecher"
für die Bühne entdeckt. Hans, völlig verblüfft von
seinem Erfolg, sagte nach der Premiere: "Erst war ich ein kleiner Piesepampel
und eine Stimmungskanone in Revuen. Jetzt bin ich ein Menschendarsteller."
Und nicht nur das! Auch der Sänger Hans Albers war plötzlich
entdeckt. Seine seltsame, prickelnde Art des Sprechgesangs, seine burschikose,
ungekünstelte Stimme mit den faszinierenden Untertönen, verzauberte
von nun an Millionen. Kaum ein Film, kaum ein Bühnenstück, in
dem er nicht singen durfte, singen sollte. Mit seiner eigenwilligen Fassung
von "Ich kam aus Alabama" wurde das Stück "Rivalen" sein Theaterdurchbruch.
In Käutners Film "Große Freiheit Nr.7" sang Albers "La Paloma"
so unvergesslich, dass man es ihm sogar noch an seinem Grab in
Hamburg am 29.7.1960 spielte. Wer kennt nicht "Kind, du brauchst nicht
zu weinen" aus dem Film "Der Draufgänger"!
Wer
erinnert sich nicht an das Duett mit Heinz Rühmann "Jawoll, meine
Herr'n" aus dem Kassenschlager "Der Mann, der Sherlock Holmes war"! Und
an den großen Hit der 50er Jahre "Auf der Reeperbahn nachts um halb
eins"! Der blonde Hans, der Draufgänger mit den blauen Augen, dem
strahlenden Blick, der kühnen Nase und dem wippenden Gang - der Hans,
der nie ganz erwachsen wurde, der ein trinkfestes Rauhbein war und dem
ein guter Regisseur doch die zartesten Töne in seiner Darstellung
entlocken konnte - er sang und spielte; spielte und sang, als gälte
es, mehr als ein Menschenleben in seiner Arbeit einzufangen. Er war Entdecker,
Industrie-Kapitän, Seemann, Cowboy, Clown, General, Möbelpacker,
Naturbursche, Diplomat, Boxer, Wissenschaftler, Toilettenwärter und
. . . Schauspieler. Er drehte 176 Filme, stand in 500 Bühnenrollen
auf den Theaterbrettern und sang sich bei alledem fast das Herz aus dem
Leib. Wenn er dann einmal zur Ruhe kam, staunte er über sich selbst:
"Manchmal kommt es mir vor, als ob das Repertoire eines Mimen bunter ist,
als das Leben selbst, und das ist wahrhaftig auch schon kariert genug!"
"Das Theater war meine erste Liebe und meine größte", gestand
Albers oft. Denn dort hatte er, der Volksschauspie1er, den direkten Kontakt
mit seinem "Volk", mit den Menschen, die so fühlten wie er. Seine
Paraderolle auf der Bühne war die des Rummelplatzausrufers "Liliom"
in Franz Molnars gleichnamigen Stück. Als dieser " Liliom" ist Albers
uns unvergessen mit dem Lied "Komm auf die Schaukel, Luise".
Auf
der Höhe seines unvergleichlichen Ruhmes suchte er Besinnung. Am Starnberger
See baute er für sich und seine Lebensgefährtin Hansi Burg ein
romantisches Haus. Er verbrachte die Tage mit der Zucht von 400 Rosensorten.
Und an langen Abenden baute er winzige Schiffchen in Glasflaschen. Dazu
ließ er ein 500-Meter-Tonband laufen, auf dem man das Tuten von Nebelhörnern
hörte und das Pfeifen der Schiffe im Hafen. Im Hafen von Hamburg.
Denn diese seine Heimatstadt konnte er nie vergessen. Und als er spürte,
dass er sterben würde, bat er, in Hamburg zu Grabe getragen zu
werden. "Immer durfte ich nur heiter siegen und heiser singen. Ich durfte
nicht altern, nicht sterben und nun ist es doch so weit", sagte er zu seiner
Gefährtin Hansi Burg. Dass er für uns nicht gestorben ist,
beweist diese Schallplatte: "Hans Albers, wie wir ihn nie vergessen". Hören
Sie seine Lieder und spüren Sie das, was der blonde Hans einst versprach:
"Ich will Freude geben, ich will mein Publikum packen." Dass er für
uns nicht gestorben ist, beweist diese Schallplatte: "Hans Albers, wie
wir ihn nie vergessen". Hören Sie seine Lieder und spüren Sie
das, was der blonde Hans einst versprach: "Ich will Freude geben, ich will
mein Publikum packen."
Geboren am 22. September 1892 in
Hamburg.
Gestorben am 24.Juli 1960 in Kempfenhausen.
Im
Film debütierte er schon 1914 mit "Mut zur Sünde", wird Superstar
in der StummfilmPeriode und bleibt es bis zu seinem Tod. Aus dem Film
"Große Freiheit Nr. 7" 1944, stammen seine größten Erfolge
als Sänger: "La Paloma" und "Auf der Reeperbahn nachts um halb eins"
und das, obwohl Albers in dieser Zeit gar nicht so aktiv war. Er konnte
mit dem Naziregime nicht viel anfangen. Seit 1933 lebte er mit Hansi Burg
zusammen, einer Halbjüdin. Selbst er konnte sie auf die Dauer vor
den Klauen des Naziregims nicht schützen. Er musste sie in die
Schweiz bringen, von wo aus sie nach England ging. Unmittelbar nach dem
Krieg kehrte sie zu ihm zurück. Sie sollte Albers überleben und
Erbin von 3,5 Millionen DM werden, die er ihr hinterließ. Er war
ein Volksidol, dieser blonde Hans, der noch immer bei vielen Menschen,
die ihn lieben, wehmütige Erinnerungen wach werden lässt.
Er spielte in unzähligen Filmen in denen er seine Hits zum Besten
gab. So z.B. "Käpt'n Bay-Bay"' woraus die Titel "Nimm mich mit, Kapitän,
auf die Reise" und "0 Signorina-rinarina" stammen. Oder ein Film wie
"Das Herz von St. Pauli" mit der Titelmelodie. Sein Repertoire ist
noch immer auf zahllosen LP's und Doppel LP's erhältlich, die hauptsächlich
von Teldec herausgebracht wurden. Seine Karriere endete mit den Filmen
"Der Mann im Strom" und "Dreizehn alte Esel", im Jahre 1958. Einen Tag
nach seinem Tod schreibt eine Hamburger Zeitung: "Es ist, als ob jemand
ein Stück des Hamburger Michels ausgerissen hätte. Es fehlt jetzt
und wird niemals mehr zurückkehren". Zu seinem Begräbnis waren
zehntausende Menschen gekommen, um dem großen Hans Albers zum letzten
Mal ihren Respekt zu zollen und um Helmut Kräutner auf dem Ohlendorfer
Friedhof sagen zu hören: "Du warst ein wahrer König. Dein Zepter
war der Humor und deine Krone war dein goldenes Herz. Good bye Johnny.
Gute Fahrt".
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| Hoppla,
jetzt komm' ich
A) Auf der Reeperbahn a.d.Film "Auf der Reeperbahn nachts um halb eins" B) La Paloma a.d. Film "Große Freiheit Nr. 7" C) Nimm mich mit, Kapitän, auf die Reise Decca Füllschrift DX 1757 (1954) |
Unvergänglich
- Unvergessen, Folge 41
A) La Paloma B) Beim ersten Mal Melodien a.d. Film "Große Freiheit Nr. 7" 19.Dezember 1944, Berlin C) Good bye, Jonny a.d. Film "Wasser für Canitoga" 28.Mai 1947, Berlin D) ...und über uns der Himmel aus dem gleichnamigen Film 4.Dezember 1947, Berlin Odeon O 40 387 (1957) |
In
einer Sternennacht am Hafen
A) In einer Sternennacht am Hafen a.d.Film "Auf der Reeperbahn nachts um halb eins" B) Einmal noch nach Bombay a.d.Film "Auf der Reeperbahn nachts um halb eins" C) Es ist egal a.d.Film "13 alte Esel" D) Sag, wie heißt du Decca Füllschrift DX 2116 (1960) |
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| Hoppla,
jetzt komm' ich
A) Auf der Reeperbahn B) La Paloma C) Nimm mich mit, Kapitän, auf die Reise Decca Füllschrift DX 1757 (1964) RE |
Mit
Hans Albers auf St.Pauli
A) Weine nicht B) Ja, das Leben C) Das letzte Hemd D) Das Herz von St. Pauli Decca Füllschrift DX 1971 (1965) RE |
Als
Hans Albers am 22. September 1957 seinen 65. Geburtstag beging, da feierte
ihn der Kritiker Friedrich Luft, indem er ein für allemal dem Begriff
"Volksschauspieler", den man Albers wohlwollend zusprach, alles Herabsetzende
nahm. Dass Albers ein Schauspieler war, der sein Handwerk glänzend
beherrschte, der mit Disziplin an die Arbeit ging und immer ganz bei der
Sache war, ein Schauspieler, der in seiner großen Zeit eine künstlerische
Kraft besaß wie nur wenige seiner Kollegen, die man als "seriöser"
einstufte - daran zweifelten ohnehin höchstens die Snobs. Und sie
hatten meist nicht einen einzigen Albers-Film gesehen. Das Außergewöhnliche
aber, das ihn umgab, dass ihn zum Leitbild einer ganzen Epoche machte,
es wurzelte vielleicht in anderen als künstlerischen Bezirken. Friedrich
Luft fand in seinem Geburtstagsgruß treffende Worte, als er es unternahm,
das Phänomen Albers zu ergründen. "Er gehört zu denen",
schrieb Luft, "deren Rollen man eigentlich gar nicht sehen will. Man geht
hin, i h n zu sehen, sich an seinem unbeschnipselten Selbstbewusstsein
selbst zu stärken. Denn Schwierigkeiten mit sich selbst scheint Albers
nicht zu kennen, er ist immer mit Hans Albers gründlich zufrieden.
Er strahlt, er gefällt sich erst einmal selber, darum gefällt
er auch den Leuten so gut. Kerle wie er sind ein Gottesgeschenk, weil sich
an sie ein Wunschbild populär und innig heften kann. Er hat uns immer
wieder vorgespielt, was man selbst so gern wäre... Hans Albers stand an
seinem 65. Geburtstag, wie an so vielen Tagen seines Lebens, vor der Kamera,
zu Aufnahmen für den Film "Das Herz von St. Pauli". Es war tatsächlich
das erste Mal, dass er in einem Atelier seiner Heimatstadt Hamburg
arbeitete, die doch schon so oft Schauplatz seiner Filme gewesen war.
Mit dem Hinweis auf diesen verwunderlichen Umstand beginnt Albers auf unserer Platte seine kleine Rückschau auf sein Leben. Die Münchner Rundfunkreporterin Ria Hans saß damals, einige Tage vor der offiziellen Geburtstagsfeier, mit ihm im Hamburger Hotel Atlantic zusammen. Ihr ist es zu danken, dass diese tönende Autobiographie zustande kam und bewahrt wurde. Wenn wir die von Hans Albers hingeplauderten Erinnerungen in einer leicht gekürzten Fassung nun, zu seinem 70. Geburtstag, auf einer Schallplatte seinen vielen Tausend Verehrern zugänglich machen, so nicht mit dem Anspruch, hier einen lückenlosen Lebensbericht vorzulegen. Zu viele seiner künstlerischen Stationen lässt Albers unerwähnt - es ist eine Stegreiferzählung ohne jedes Konzept. Aber gerade deswegen gibt dieser Bericht, der auf der ersten Schallplattenseite noch durch ein kleines, scheinbar belangloses Berliner Interview aus dem Jahre 1959 ergänzt wird, mit seiner ruhigen Sprachmelodie, seinen Zwischentönen und seinen kleinen humoristischen Lichtern einen lebhaften Eindruck von dem, was sich so schwer beschreiben lässt. Er zeigt Albers in seiner herrlichen Unkompliziertheit, seiner völligen Übereinstimmung mit sich selbst, die – wie Friedrich Luft es formuliert hat - daher herrührte, daß "der liebe Gott vergessen hatte, ihm auch nur die Andeutung eines Zweifels an sich selbst, einen Komplex oder eine Hemmung einzubauen". Ohne dieses Selbstvertrauen, das niemals Überheblichkeit oder Borniertheit war, hätte Albers seinen märchenhaften Aufstieg wohl kaum bewältigen können.
Märchenhaft war er, dieser Weg aus dem bürgerlichen Elternhaus zum Weltruhm. Und mühsam ist er auch gewesen. Albers erzählt es, er erwähnt seine "drei Berufe". Aus der Obertertia einer Hamburger Realschule kam der Schlachterssohn zunächst als Lehrling in das Kontor einer Farb- und Chemikalienhandlung. Damals scheiterte sein erster Versuch, zur Bühne zu gehen. Bei einer Eignungsprüfung fiel er mit Pauken und Trompeten durch. Er vertauschte den Kontorblock mit dem Platz hinter dem Ladentisch. In Frankfurt am Main in einem Geschäft der "Seidenbranche", finden wir ihn wieder. Und hier begegnete er dem Theaterdirektor Arthur Hellmer, der seine Begabung erkannte und förderte. Im Sommertheater in Bad Schandau betrat er endlich die Bretter, die die Welt bedeuten. Es folgten etliche harte Lehrjahre in der Provinz. Auch davon gibt Albers in seinem Bericht einiges zum besten. Seine Freude über sein Engagement am Hamburger Thalia-Theater, wo damals Leopold Jeßner Regisseur war, währte nur kurz. Nach wenigen Spieltagen brach der Krieg aus. Albers wurde Soldat, schwer verwundet und musste nach Kriegsende noch einmal von vorn anfangen.
Im
Berlin der zwanziger Jahre diente er sich aus Revuegefilden nach oben.
Sein Kellner Tunichtgut in Bruckners Schauspiel "Die Verbrecher", 1928
im Deutschen Theater unter Heinz Hilperts Regie, lenkte mit einem Schlage
die Aufmerksamkeit auf ihn. Um Rollen brauchte er sich jetzt nicht mehr
zu sorgen. Albers nennt die Dinge ohne falsche Bescheidenheit beim Namen:
"Von nun an war ich einer der Großen." Ein Theatererfolg schloss
an den anderen an: "Rivalen", das amerikanische Kriegsstück von Maxwell
Anderson (1929), wo Fritz Kortner sein Partner war, Georg Kaisers "Zwei
Krawatten" (1930) mit Marlene Dietrich und sein berühmter "Liliom"
(1931) in der Berliner Fassung des österreichischen Volksstücks.
Inzwischen hatte ihn der Tonfilm schon zum Star gemacht. Ein begehrter
Stummfilmdarsteller war er längst gewesen, aber als vor der sprechenden
Flimmerwand die meisten Filmheroen resignierten, schlug seine große
Stunde. Er betrat auch dieses neue Feld mit Ruhe und unerschütterlicher
Selbstverständlichkeit. Und als bei der Uraufführung des dritten
deutschen Tonfilms' in Carl Froelichs "Die Nacht gehört uns", die
ersten Albers-Sätze von der Leinwand kamen, rauh und stockend, scheinbar
gegen alle Regeln der schauspielerischen Sprache gesetzt, zeigte sich das
Publikum fasziniert. Der Weg des Schauspielers war vorgezeichnet, "da ging
es auf einmal gewaltig los mit mir", wie Albers sagt. Man schrieb Film
auf Film für ihn, ihm direkt auf den Leib. Die Titel sprechen für
sich: "Der Draufgänger" (1931), "Der Sieger" (1932), "Heut kommt's
drauf an" (1933). Albers "siegte" in immer neuen Variationen. Von Filmen
mit tragischem Ausgang wurden nur wenige ein Erfolg, wie zum Beispiel "Wasser
für Canitoga" (1939). Am schönsten wurde es, wenn die Handlung
ihm die Möglichkeit gab, etwas Selbstironie ins Spiel zu mischen.
Da gelangen ihm Köstlichkeiten, wie "Sergeant Berry" (1938) oder "Ein
Mann auf Abwegen" (1940). Und die Kriminalkomödie "Der Mann, der Sherlock
Holmes war" (1937) möchte man geradezu klassisch und vielleicht den
besten aller Albers-Filme nennen.
Von seinen großen Filmerfolgen erzählt Albers auf unserer Platte nichts. Deren Kenntnis glaubt er - mit Recht - voraussetzen zu dürfen. Aber zwei Themen kehren in seinem Bericht immer wieder, schlingen sich wie zu einem roten Faden verbunden durch die Lebensbilanz: die Liebe zu seiner Heimatstadt und die Liebe zu seinen Eltern, zu seiner Familie. Wenn er sagt: "Ich bin ja ein Stück von Hamburg", so hat das nichts Anmaßendes, weil man das Glück daraus spürt, seiner Heimatstadt Ehre gemacht zu haben, von ihren Bürgern mit Stolz betrachtet zu werden. Sein schönster Traum, ein Haus mit Elbblick für den Lebensabend, wo er die Schiffe aus- und einfahren sehen könnte und den Hafen schnuppern, dieser Traum ist ihm nicht mehr erfüllt worden. Die Verehrung, die Albers zeitlebens für seine Eltern empfand, für seinen strengen Vater, den stadtbekannten "schönen Wilhelm", vor allem aber die Liebe zu seiner Mutter, mit der er besonders innig verbunden war - vielleicht sind das die Zauberkräfte, die Albers trotz der schwindelerregenden Erfolge immer "auf der Erde" bleiben ließen. In dem schon erwähnten Film "Sergeant Berry" hatte er einen Chikagoer Polizeimann zu spielen, der mit seiner alten Mutter zusammen lebt. Die Behutsamkeit und Güte, mit der Albers da in den häuslichen Szenen seine Partnerin Toni v. Bukovics umgab, wird jedem in Erinnerung sein, der den Film sah. Hier spielte er ein Stück seines eigenen Lebens. Albers, der auch als Liebhaber immer etwas väterlich Beschützendes ausstrahlte, fand später - zum Beispiel in "Nachts auf den Straßen" - mühelos den Weg ins ältere Fach. Man gab ihm dann allerdings wenig Chancen, solche Möglichkeiten zu vertiefen. Seine letzten Filme waren nicht die besten. Sie zwangen ihn dazu, seine Seemannstypen wie Abziehbilder immer aufs neue anzubieten. Und auch die Schlager, die man in den letzten Jahren für ihn schrieb, waren fast ausnahmslos schwach.
Unsere
Schallplatte stellt aufs neue eine Reihe von Aufnahmen aus den Jahren 1950-1952
vor. Darunter befinden sich zwei Seemannslieder, die er auch früher
schon gesungen hat, und die Neuproduktionen zwei seiner berühmtesten
Chansons aus der Zeit vor 1933, in der wohl die originellsten seiner Lieder
entstanden sind. Für viele Sammler wird es interessant sein, die alte
Fassung mit diesen zwanzig Jahre später entstandenen Neuaufnahmen
zu vergleichen, die von einer Reihe Schlager und reizvoller Chansons ergänzt
werden, die man Anfang der fünfziger Jahre für Hans Albers komponierte.
Der unmittelbar darauf einsetzende Siegeszug der Langspielplatte ließ
diese - noch auf Schellackplatten gepressten - Albers-Lieder unverdient
schnell wieder vom Markt verschwinden, obwohl sie den Chansonnier Albers
weit überzeugender ausweisen als alle Schlager, die er später
noch gesungen haben mag. Der Chansonnier Albers - dieser Begriff wird hier
mit Nachdruck eingeführt. Ein Vergleich zwischen ihm und dem französischen
Volksliebling Maurice Chevalier, den man verschiedentlich gezogen hat,
ist gewiss gar nicht abwegig. Die Fähigkeit nämlich, die
man jenem nachsagt, aus einem billigen Schlager so etwas wie ein modernes
Volkslied machen zu können, auch Albers hat sie besessen. Wie Chevalier
hatte auch Albers mit seinem rauchigen, ungekünstelten Organ kaum
eine Gesangsstimme, wie er hatte er den Mut zur Sentimentalität, die
er mit einem entwaffnenden Charme an den Mann brachte, dem sich kaum jemand
entziehen kann, der richtig zu hören versteht. Wenn Chanson singen
bedeutet, mit einem kleinen Lied eine Geschichte zu erzählen -, so
hat Albers als einer der wenigen hierzulande diese Kunst verstanden. Vor
dem Schwung seiner Naivität wird das Rührselige auf einmal anrührend.
Und auch der kühlste Intellektuelle wischt sich verstohlen eine Träne
aus dem Augenwinkel. In seinen Hafenliedern ist viel zwinkernder Humor,
fast immer aber klingt das Fernweh mit und eine seltsame, sehr männliche
Melancholie. Und in seinen leiseren Chansons, wie in dem überraschend
zarten "Sag, wie heißt du", ist eine Innerlichkeit, die uns verstummen
lässt. Durch den Zusammenklang seiner Erzählung und dieser
nur scheinbar banalen Lieder, die er so gern sang, wird die Erinnerung
an Hans Albers so leibhaftig beschworen, als sei er immer noch unter uns.
Seit er diese Welt am 24. Juli 1960 verlassen hat, sind wir ärmer
geworden. Friedrich Luft hat in seinem Nachruf vielen aus dem Herzen gesprochen:
"Der Mann war herrlich! Man wird seinesgleichen (leider!) nicht wieder
in einem Menschenalter erleben."